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Rassismus in Lovecraftesque

Lovecraft vertrat bestimmte Meinungen, die heutzutage auf die meisten Menschen befremdlich wirken. Nichtsdestotrotz müssen seine unappetitlichen Ansichten nicht in Lovecraftesque wiedergekäut werden. Wir können am Spieltisch einiges tun, um es anders zu machen.

Kurzinfo zum Spiel

Lovecraftesque ist ein spielleitungsloses Erzählspiel über brodelnden, kosmischen Horror und bedient sich Themen sowie Elementen, die aus Lovecrafts Geschichten und Mythos bekannt sind. In einer sich zunächst langsam entwickelnden Geschichte manifestieren sich seltsame Hinweise, aus denen die Spielenden voreilige Schlüsse ziehen – die den Fortlauf der Geschichte beeinflussen.

Die abwechselnd geführte Hauptfigur wird dann auf eine Reise zu einer erschreckenden Erkenntnis oder der Begegnung mit einem furchtbaren Monstrum geschickt. Das Spiel findet in einer fulminanten Abschlussszene kosmischen Ausmaßes seinen Abschluss, nur ein Epilog zeigt danach noch auf, was mit der Hauptfigur und dem Schrecken danach passiert. Lovecraftesque ist für 2–5 Spielerinnen ausgelegt, die Dauer beträgt etwa 3–4 Stunden.

Zum Geleit

Lovecraft vertrat bestimmte Meinungen, die heutzutage auf die meisten Menschen befremdlich wirken: Beispielsweise waren für ihn bestimmte Bevölkerungsgruppen ob ihrer Herkunft unverlässlich oder „wild“, diebisch und bösartig. Lovecraft war sicherlich auch ein Produkt seiner Zeit, nichtsdestotrotz müssen seine unappetitlichen Ansichten nicht in Lovecraftesque wiedergekäut werden.

Wir können am Spieltisch einiges tun, um es anders zu machen. Es folgen Auszüge aus dem Regelbuch.

Rassismus ausklammern

Rassismus wird im Spiel einfach nicht erwähnt oder gespielt. Möglicherweise existiert er in der Spielwelt einfach nicht oder, falls doch, tritt er während des Spiels nicht zutage. Bei einem Spiel in einer viktorianischen Welt mit raumfahrenden, pilzartigen Außerirdischen, die menschliche Gehirne extrahieren und in Gefäßen aufbewahren können, sind nicht offen rassistische Spielfiguren keine maßlose Übertreibung.

Sich einigen und Rassismus begrenzen

Im anderen Falle sollte sich auf Rassismus im Spiel nur so weit bezogen werden, wie alle Teilnehmenden sich zuvor darauf geeinigt haben. Weiterhin sollte Rassismus jedoch kritisch betrachtet werden.

Bestimmte Tropen vermeiden

Lovecraft setzt in seinen Geschichten teilweise auf bestimmte Tropen, die Teil seiner rassistischen Ansichten waren. Diese können vermieden werden und sollten es auch. Beispiele für diese Tropen beinhalten:

  • Gleichnisse über das Übel der Mischehe und daraus geborene Kinder.
  • Die Verwendung stereotypisch wilder/boshafter eingeborener Kulturen.
  • Jeder Held ist ein weißer Mann, der die Last der Weltrettung, schrecklichen Wissens etc. auf seinen Schultern trägt.
  • Das Fehlen von Menschen anderer Hautfarbe abseits ethnischer Stereotypen, beispielsweise afro-amerikanische Banden, Roma-Diebe, chinesische Opiumhöhlen, indische Phansigar-Kultisten.

Solche Tropen beinhalten schädliche Stereotypen, die zusätzlich abgedroschen und geistlos sind. Deren Vermeidung macht es möglich, lovecraftesque Geschichten und Szenarien zu erschaffen, die ungewöhnlich und spannend sind.

Als Beispiel mag eine kluge afro-amerikanische Studentin dienen, die ein unheimliches Studentenverbindungshaus untersucht. Kira Magrann setzt dies in ihrem Szenario Dark Pledges um. Ein weiteres Beispiel ist ein entschlossener ägyptscher Bauer in den 1920er Jahren, der eine Gruppe achtloser Archäologen davon abzuhalten versucht, die Siegel auf dem Grab eines Großen Alten zu brechen. Oder eine tatkräftige indianische Krankenschwester im Ersten Weltkrieg, die auf ein schreckliches, außerirdisches Geheimnis stößt.

Fazit

Der Schlüssel ist immer ein offenes und ehrliches Gespräch in beziehungsweise vor der Spielrunde. Es sollte sichergestellt werden, dass alle Teilnehmenden von Beginn an unter denselben Voraussetzungen spielen – niemand sollte in der Mitte der Spielsitzung plötzlich von Rassismus überrascht werden.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des Crowdfundings des Erzählspiels Lovecraftesque, das im Sommer 2020 im SchmetterTing Verlag erscheinen soll. Dazu benötigt der Verlag die Unterstützung der interessierten Rollenspielgemeinschaft. Ihr könnt euch unter gameontabletop.com/cf240/lovecraftesque.html an der Finanzierung des Spiels beteiligen und so für den Übersetzer und den Verlag einen Traum wahr werden lassen. Unterstützt Indie!