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Der Kult des Goldenen Käfers – Gedanken zum ersten Lovecraftesque-Livestream bei #PnPTings

Im November gab es den ersten Lovecraftesque-Livestream auf Twitch, in dem wir uns ganz klassisch im Neuengland der 1920er bewegten und eine studentische Hilfskraft der Arkhamer Universitätsbibliothek zu einer schrecklichen Erkenntnis trieben. Thorsten schreibt über den Ablauf und seine Beobachtungen.

Kurzinfo zum Spiel

Lovecraftesque ist ein spielleitungsloses Erzählspiel über brodelnden, kosmischen Horror und bedient sich Themen sowie Elementen, die aus Lovecrafts Geschichten und Mythos bekannt sind. In einer sich zunächst langsam entwickelnden Geschichte manifestieren sich seltsame Hinweise, aus denen die Spielenden voreilige Schlüsse ziehen – die den Fortlauf der Geschichte beeinflussen.

Die abwechselnd geführte Hauptfigur wird dann auf eine Reise zu einer erschreckenden Erkenntnis oder der Begegnung mit einem furchtbaren Monstrum geschickt. Das Spiel findet in einer fulminanten Abschlussszene kosmischen Ausmaßes seinen Abschluss, nur ein Epilog zeigt danach noch auf, was mit der Hauptfigur und dem Schrecken danach passiert. Lovecraftesque ist für 2–5 Spielerinnen ausgelegt, die Dauer beträgt etwa 3–4 Stunden.

Wer, was, wie?

Am 21.11.2019 fand der erste Lovecraftesque-Livestream auf dem Twitch-Kanal des Schmetterting Verlags im Rahmen des #PnPTings statt. Wir hatten eine illustre Gruppe an völlig wahnsinni… freudig aufgeschlossenen Spielenden dabei: Nacchi, David, Moritz und ich machten uns auf, aus dem Stehgreif ein eigenes Setting zu schaffen und daraus eine schöne Geschichte zu spinnen. Ich moderierte außerdem das Spiel und erklärte dabei die Regeln. Dyn übernahm die Rolle des Gastgebers und notierte für uns im Hintergrund auch wichtige Informationen während des Spiels, Pasuht kümmerte sich um die Technik. Beide haben sehr gute Arbeit geleistet, vielen Dank!

Moritz hat in seinem Blog einen schönen Spielbericht geschrieben, auf den ich hier einfach verweise, was die Geschichte selbst angeht. Er hat auch, wie ihr sehen werdet, eine super coole Illustration unserer Zeugin, Margaret „Maggie“ Greenborough, organisiert.

Die Vorbereitungen

Wird kein vorgefertigtes Szenario verwendet, beginnt das Spiel in Lovecraftesque damit, gemeinsam ein eigenes Szenario und eine Zeugin zu erschaffen. Wir begannen damit, uns die benötigten Elemente für die Spielrunde auszudenken und landeten schließlich bei der Arkham Universität im Neuengland der 1920er Jahre.

Der Hauptschauplatz würde das Archiv der Bibliothek auf dem Campus sein, weitere Schauplätze waren die Bibliothek, das Verbindungshaus der einzigen Verbindung, die Frauen aufnam, eine abgelegene Kapelle eines Friedhofes nahe des Campuswaldes und eine Höhle als geheimer Versammlungsort am Rande des Campus, ebenfalls nahe am Wald.

Unsere Zeugin war Margaret „Maggie“ Greenborough, eine etwa dreißigjährige Studentin der Literatur und Geschichte, die nebenbei als studentische Hilfskraft in der Bibliothek der Uni arbeitete. Da ihre Eltern wohlhabend waren, konnte sie es sich leisten, sich für ihr Studium etwas mehr Zeit zu lassen als andere. Ihr erstes bekanntes Persönlichkeitsmerkmal war ihre Gründlichkeit, ihre Quelle der Stärke ein kleines gebundenes Buch mit eingeprägter Rose, dass Maggie von ihrer Tante Amalia geschenkt bekommen hatte. Maggie verband mit diesem Kleinod viele schöne Erinnerungen und Gefühle. Der Grund, warum Maggie sich im Archiv oder auf dem Weg dahin befinden sollte, war die Buchbestellung eines seltsamen Professors.

Wir sprachen noch über Spielelemente und Themen, die wir lieber nicht in unserer Runde haben wollten und ich führte kurz die verwendeten Sicherheitstechniken ein: die X-Karte und der offene Spieltisch. Letzteres bedeutet, dass alle zu jedem Zeitpunkt den Stream verlassen können, wenn es ihnen nicht gut geht. Es gibt Menschen, die damit Schwierigkeiten haben (ich zum Beispiel), deshalb erwähne ich das zu Beginn von Spielen, die ich leite oder moderiere. Da macht es für mich keinen Unterschied, ob es ein Livestream ist oder die Tischrunde zu Hause.

Hinweise, Hinweise, Hinweise

Ein zentrales Element sind in Lovecraftesque die Hinweise. Am Ende jeder Szene in Teil 1 und Teil 2 enthüllt die aktuelle Erzählerin ein Detail, das öffentlich notiert wird sowie bizarr, seltsam und angsterfüllend sein soll. Diese Hinweise leiten ein Stück weit die Geschichte und werden auch während des Höhepunkts des Spiels, dem Finalen Schrecken, eingesetzt, um deutlich zu machen, wer oder was hinter dem ganzen Horror steckte. Ich liste einmal die Hinweise der Spielrunde auf und kommentiere sie gegebenenfalls.

Szene 1: Insekten wogen in Richtung einer bestimmten Ecke im Archiv der Universität.

Maggie ist im Archiv der Universität unterwegs, um ein bestelltes Buch für einen ihr unbekannten Professor zu suchen. Dort findet sie eine Vielzahl an Insekten vor, wie sie in einem Archiv – egal wie muffig es dort sein mag – nicht vorkommen sollte. Eine solche Ansammlung ist schon tendenziell gruselig, könnte aber sicherlich irgendwie rational erklärt werden.

Szene 2: In dem Moment, wo Maggie den toten Käfer zeigen will, ist er plötzlich verschwunden.

Maggie erschlägt einen der Käfer mit einem Poe-Buch (böse Referenz von Moritz) und nimmt ihn mit, um sich mit jemandem zu besprechen. Als sie ihrem Komilitonen Andrew Smith das insektoide Exemplare präsentieren will, ist es plötzlich weg. Seltsam. Der Käfer könnte blitzschnell entwendet worden oder aus eigenen Kräften verschwunden sein. Vielleicht war er ja gar nicht tot?

Szene 3: Eine scheinbar sehr schwere Steinplatte wird in einem Mausoleum auf dem Friedhof von irgendetwas runtergeworfen und zerschellt.

Maggie schnappt auf dem Campus-Friedhof frische Luft und bemerkt in einem Mausoleum etwas. Dieser Hinweis ist gruselig, aber nicht offenkundig übernatürlich, alles gut.

Szene 4: Auf dem Tisch im Wohnheim liegt das mysteriöse Buch Arkanum Kuriosum.

Maggie kehrt zu ihrem Komilitonen zurück, um ihn wegen des Mausoleums um Hilfe zu bitten. Er erklärt sich einverstanden, Maggie fällt das Buch auf, wegen dem sie im Archiv war – was hatte es in Andrews Zimmer zu suchen?

Szene 5: Innerhalb des Sarkophags führt eine steinerne Treppe in die Tiefe.

Maggie und Andrew verschaffen sich zum Mausoleum Zutritt und entdecken einen Sarkophag ohne Deckel, in dem eine Steintreppe in die dunkle Tiefe führt … Maggie wird bewusstlos.

Szene 6: Es gibt eine Art Glasabdruck auf dem Arkanum Kuriosum.

Maggie wacht im Archiv auf – war das vorher Geschehene nur ein Traum gewesen? Sie studiert das dicke und in seltsames Leder gebundene Buch genauer und sieht einen glasartigen Abdruck.

Szene 7: Ein Gesicht auf einem Bild in dem Buch kommt Maggie bekannt vor.

Hier ist das Gruselige die Erkenntnis, dass in dem Buch eine Person vorkommt, die sie kennt. Zusätzlich erfährt sie etwas über einen Käfer-Kult aus der Region und über dessen Riten.

Die Reise in die Dunkelheit, der Finale Schrecken, der Epilog

Maggie wird wieder schwarz vor Augen und wacht dann anscheinend in einem Kultraum auf. Sie sieht die riesige Statue eines Käfers … die weiteren Details könnt ihr euch gern im Stream anschauen.

Fazit

Das Streamen hat viel Spaß gemacht! Wir hatten Spielerinnen und Spieler dabei, die teilweise Erfahrung mit Erzählspielen hatten und welche, für die das nicht das gewohnte Terrain darstellt. Nacchi erzählte, dass sie sonst sehr viel verregeltere Systeme spiele und Moritz ist ja auch eher ein Oldschooler. Und dennoch hat es super funktoniert!

Ich freue mich schon auf den nächsten Lovecraftesque-Livestream am 28.11.2020 ab 20:00 Uhr auf dem Twitch-Kanal des SchmetterTing Verlags!

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des Crowdfundings des Erzählspiels Lovecraftesque, das im Sommer 2020 im SchmetterTing Verlag erscheinen soll. Dazu benötigt der Verlag die Unterstützung der interessierten Rollenspielgemeinschaft. Ihr könnt euch unter gameontabletop.com/cf240/lovecraftesque.html an der Finanzierung des Spiels beteiligen und so für den Übersetzer und den Verlag einen Traum wahr werden lassen. Unterstützt Indie!